Dr. Georgios Fousteris: Geleitwort zu „Nikola Sarić: Parabeln und Zeugen“

Der Farben Nachklang

Nikola Sarić agiert auf dem Gebiet der Teilnahme und des Dialogs. Seine Kunst richtet sich – wie es Parabeln eben tun – an ausnahmslos jeden, entsprechend der Empfänglichkeit des Betrachters. Scharf wie eine benetzte Klinge identifiziert sie sich mit der Idiotie, welche die Weisheit in der Welt kontrolliert. Ein Skandal, eine Explosion der Liebe, welche sich duelliert mit der Selbstgenügsamkeit der Logik. Es ist alles da, Menschen und Gegenstande, klare Andeutungen bekannter Symbole, erkennbar in jedem ihrer Details.

Gleichzeitig jedoch bleiben sie rätselhaft und unverständlich fur jeden, der nicht offen und empfänglich wie ein Kind zu sehen vermag. Der Künstler hat mit den Texten gerungen, hat den unverhüllten Sinn erspürt und ausgedruckt. Er marterte sich, ob er wohl nicht genau genug wurde zuhören und ob er unbeschnitten bliebe im Herzen.

Der Blick, die Standpunkte, die Gestik, die Formen, die Farben, alles ist klar und hell und von einer Aufrichtigkeit, die keine Trugbilder zulasst. Das Horen veranlasst das Sehen und die Dinge werden real. Die ganz offensichtlich zweidimensionalen Kompositionen erschaffen einen Raum, in welchem die Message, die Botschaft dieses Lebens widerhallt, zugleich intensiv und doch schweigsam. Formen werden zu Bedeutungsträgern und Farben pulsieren echohaft. Glückseligkeit ist verschlungen mit der Scharfe der Prüfungen. Tod und Hoffnung, Liebe und Zorn, Einsamkeit und Leidenschaft, Luge und Vertrauen, Demut und Heuchelei in ihrem echten Ausmaß und ihrer Intensität. Es schmeichelt nicht dem Betrachter, es mochte ihn auch nicht belehren. Das einzige Anliegen ist die Wahrheit der Dinge hervorzubringen. Das Größte dieser Dinge ist die Liebe. Im Angesicht dieser unablässigen, inständigen visuellen Darlegung kann es sich niemand leisten, gleichgültig zu bleiben.

Die Zukunft der Tradition

Nikola Sarić‘ Malerei ist wie eine Anregung für christliche Kunst. Sie thematisiert die Schüchternheit, mit welcher christliche Schöpfung immer konfrontiert war. Christliche Schöpfung war immer dem heiligen Erbe verpflichtet, ebenso wie der Notwendigkeit, sakrale, Ehrfurcht erregende Erfahrung unverfälscht wieder und wieder zum Ausdruck zu bringen. Der Künstler kehrt zurück zur Zukunft der Tradition ohne die Kontinuität zu fürchten. Seine ist keine persönliche Kunst. Zeitgenössisch und immerwährend, transkribiert er in einer persönlichen und einzigartigen Art und Weise die Erfahrung, welche erkennt und erkannt wird als eine gemeinsame für alle. Sarić‘ Angebot beschäftigt sich nicht mit visuellen Erfindungen und Entdeckungen, sondern mit der Erkundung primärer Bedeutungen. Dies ist eine Kunst, sowohl untergeordnet als auch befreit, frei von nichtssagender Selbstgewissheit, aber bereit mit dem Leben zu kommunizieren – jetzt und bis in alle Ewigkeit.

Georgios Fousteris, Theologe, Dr. der byzantinischen Archäologie

Geleitwort zur Ausstellung „Nikola Sarić: Parabeln und Zeugen“ im Mount Athos Center, Thessaloniki 2016

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